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Einschätzung der Pateo Investments GmbH

2022 | Marktkommentar

Einschätzung der Pateo Investments GmbH

Die geopolitische Lage ist weiterhin unübersichtlich, der Krieg in der Ukraine überschattet weiterhin das Tagesgeschehen, auch an den Kapitalmärkten.
Aber natürlich gibt es gerade jetzt auch viele Fragen und Unsicherheiten bei den Investoren, darum wollen wir versuchen, einige nüchterne Fakten zum Markt für Sie zusammenzutragen. Wie von fast allen Analysten erwartet, standen seit Beginn des Jahres die Entwicklung der Inflation und der Zinsen im Mittelpunkt aller Betrachtungen und Überlegungen.

Wie viele Zinserhöhungen wird es in den USA geben? Muss sich die EZB dem am Ende anschließen? Wird es für Investoren wieder interessanter, in Anleihen zu investieren, statt am Aktienmarkt? Die letzte Überlegung betrifft allerdings mehr die USD-Anleihen als die Euro Anleihen. Die aktuelle Inflationsrate in Deutschland und der gesamten EU lag im März 2022 bei über 7%. Dies veranlasste die EZB, eine Zinserhöhung in diesem Jahr ebenfalls nicht mehr auszuschließen. In der vergangenen Woche erhöhte die amerikanische FED erstmals die Zinsen, die Leitzinsspanne beträgt nun 0,25-0,5%. Weitere 4-6 Zinserhöhungen werden vom Markt innerhalb der nächsten ca. 12-18 Monate erwartet. Die 10-jährigen Anleihen des Bundes haben aktuell eine Rendite von ca. 0,62%, die 10-Jährigen der USA (im USD) liegen bei ca. 2,5%. Da die 2-jährigen USD Anleihen derzeit eine höhere Rendite als die 10-jährigen Anleihen aufweisen, besteht in den USA derzeit eine inverse Zinsstrukturkurve. Inverse Zinsstrukturkurve deuteten sich in der Vergangenheit oftmals als Vorlaufindikator für eine Rezession an, gleichwohl fließen derzeit viele exogene Faktoren in diese Betrachtung ein. Aufgrund dieser Faktoren, könnte es ratsam sein, Investitionsentscheidungen selektiv und wohl dosiert vorzunehmen. Dass die Unternehmensberichte der börsennotierten Gesellschaften für das Jahr 2021 überwiegend den Erwartungen entsprachen oder diese übertrafen, spielte bei den Kursentwicklungen derzeit kaum eine Rolle.

Die angekündigten Zinserhöhungen der US-Notenbank haben am Markt für große Unsicherheit gesorgt, so dass die Aktienmärkte im Januar und Februar deutlich nachgaben – bis zum 24.02.2022, dem Tag der russischen Invasion. An diesem Tag begann am Markt eine neue Zeitrechnung. Statt einem massiven Kurseinbruch stiegen an diesem Tag die amerikanischen Aktienindizes, die europäischen hingegen brachen ein. Heute stehen Dow Jones und S&P 500 höher als am historischen 24.02.2022. Der Dax ist auf Jahressicht zwischenzeitlich um ca. 14% gefallen, steht heute etwa dort, wo er vor dem Kriegsbeginn notierte. Die insgesamt gestiegene Unsicherheit führte zu einer Flucht in den USD sowie auch in Gold. Der Ölpreis explodierte förmlich, auch ohne Verknappung des Angebotes und ohne gestiegene Nachfrage, aber an den Börsen werden Erwartungen und Ängste gehandelt. In dieser Branche verdienen einige zurzeit viel Geld. Und da wir gerade beim Verdienen sind – auch die Kurse mehrerer Firmen aus dem Rüstungssektor sind gewaltig gestiegen. Krieg, Sanktionen, neuer Eiserner Vorhang – wie wird sich nun die Weltwirtschaft entwickeln? Wie wird sich China verhalten, vielleicht gehört sie sogar zu den wirtschaftlichen Profiteuren der massiven westlichen Sanktionen? Es stellen sich gerade sehr viele Fragen, auf die es noch keine klare Antwort gibt. Ungeachtet dessen ist zu erwarten, dass sich in der Wirtschaftswelt einiges ändert, es wird nicht mehr so sein wie vorher. Bereits die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass wir unser gewohntes Verhalten anpassen mussten, Lieferketten gestört wurden, Staaten und Firmen wieder eine Lagerhaltung eingeführt haben, so wird die aktuelle Lage diese Problematik verschärfen und vertiefen. Vor allem die Frage der Energieversorgung, will man sich unabhängig von Russland machen oder sich gar schnell zu lösen, wird nicht so einfach sein. Die Wirtschaft steht einmal mehr vor großen Herausforderungen, aber wir sind überzeugt, dass sie diese meistern wird.

In Hinblick auf Ihre persönliche Anlagestrategie ist es wichtiger denn je zu prüfen, ob Sie eine auf die neue Situation angepasste Vermögensallokation haben. Zu viel Liquidität ist sicherlich nicht ratsam, sowohl in der Niedrigzinsphase als auch in Zeiten hoher Inflation. Vielmehr sollte mittel- bis langfristig in solides Sach- und Produktivkapital (Immobilien, Aktien u.a.) investiert werden, nur damit lassen sich reale Renditen nachhaltig erwirtschaften. Wir gehen zudem davon aus, dass ein Großteil der zu erwartenden Zinserhöhungen bereits eingepreist sein dürften.

[Marktkommentar vom 11. April 2022]